Feierlicher Protest

Ihr schwatzt mir viel von Lebenszwecken, von Lebensziel und

 

von Moritz, Graf von Strachwitz



aus dem Gedichtband :
Moritz, Graf von Strachwitz - Lieder eines Erwachenden, 1854 — 5. Auflage, Verlag Trewendt und Granier, Breslau



Feierlicher Protest
 

Feierlicher Protest

Gedicht (PDF)

Ihr schwatzt mir viel von Lebenszwecken,
von Lebensziel und Rugetag
und quält euch mühsam auszuhecken,
was wol aus mir noch werden mag.

Des stillen Glückes Seligkeiten
erzählt ihr alle groß und breit,
ihr sucht mich in den Pfad zu leiten
philisterhafter Häuslichkeit.

Da soll ich von den Lenzgewittern
der frischen Jugend endlich ruhn,
ein Weib mir nehmen, Kinder füttern
und still und fromm und häuslich thun.

Da soll ich Flachs und Wolle schlichten
und Garben zählen nach dem Schock,
soll Gänse mästen, Hengste züchten
und Ochs und Schaf und Ziegenbock.

Indeß die Sinne wild und waglich
zum Ungewöhnlichen mich ziehn,
soll ich im Schlafrock träg', behaglich
beim Kaffee sehn mein Pfeifchen glühn.

Ich aber sag' euch: eher fesseln
könnt ihr im Sturz den Wasserfall,
eh' ihr's vermögt, mich einzukesseln
in euren engen Gänsestall.

Ich aber sag' euch: eher wandeln
könnt ihr zur Gans den Falken um,
eh' ihr's vermögt, mir einzuhandeln
eu'r häusliches Elysium.

Ich mag einmal darauf nicht eingehn,
auf euren schalen Alltagsspaß,
will kecklich durch die Welt allein gehn
mit meiner Lieb' und meinem Haß.

So hört denn auf, mir vorzuleiern,
daß einst der freud'ge Drang vergeht,
der Drang nach That und Abenteuern,
der wild durch meine Pulse weht.

Und müßt' er endlich doch erschlaffen,
so sprecht davon mir heut noch nicht,
indeß im trotzigen Erraffen
ein jeder Herzschlag anders spricht.

Indeß ums Haupt sich, Kraft verkündend,
die braune Jugendlocke schmiegt,
indeß das Aug' noch hell und zündend,
der Geist noch frisch und unbesiegt.

Indeß die Faust noch stahleskräftig
sich preßt an Feder oder Schwert;
indeß das Blut noch wild geschäftig
vom Herzen nach der Zunge fährt.

Sprecht mir davon, wenn matt und schwächlich
mir Herz und Hand und Zunge ward:
Dann will ich leben fein gemächlich
nach eurer saubern Lebensart.

Laßt vor der Hand mich ungeschoren,
Philister bleibt vom Kopf zum Fuß,
und weil ich nicht dazu geboren,
so will ich's sein erst, wenn ich muß.


Worte :
1841 Moritz, Graf von Strachwitz (1822 - 1847)


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