Aramia

Die Schlüsselmutter machte ein schiefes Gesicht

Vertonung eines Hans Leip Gedichtes
 


Lied aus : Werkstatt

aus dem Gedichtband : Hans Leip - Die kleine Hafenorgel, 1937 — 1. Auflage, Christian Wegner Verlag, Hamburg


Worte : 1930
Hans Leip / © dessen Rechtsnachfolger
Weise :
März 2012 mayer / © Jürgen Sesselmann - Alle Änderungen : 6. Oktober 2012



We-CD-7 - 2012 : Werkstatt VII ( Titel 5 ) - [Erste Fassung / Tango]

Aramia - Die Schlüsselmutter machte ein schiefes Gesicht. Die Gäste, wie sie trinken

We-CD-7 - 2012 : Werkstatt VII ( Titel 4 ) - [Zweite Fassung]

Aramia - Die Schlüsselmutter machte ein schiefes Gesicht. Die Gäste, wie sie trinken

We-CD-9 - 2012 : Werkstatt IX ( Titel 9 ) - [Dritte Fassung]

Aramia - Die Schlüsselmutter machte ein schiefes Gesicht. Die Gäste, wie sie trinken

We-CD-10 - 2012 : Werkstatt X ( Titel 11 ) - [Entgültige Fassung]

Aramia - Die Schlüsselmutter machte ein schiefes Gesicht. Die Gäste, wie sie trinken


Aramia

Werkstatt X

Die Hörprobe stammt von einer Studioaufnahme aus dem Jahr 2012. Sie ist der CD - Werkstatt X entnommen.

 

Die Geschichte des Liedes

 


Frühling 2012, im Zuge der Aktualisierung meiner Hans Leip Bibliographie begann ich nach langer Pause einige seiner Gedichtbände erneut zu lesen. Ich stieß, für mich selbst überraschend, auf sehr schöne Verse, die ich bis dahin anscheinend überlesen hatte, die sich aber für eine Vertonung eignen könnten. Zuerst wollte ich mich an einem Lied um die Hafenhure Aramia versuchen. Leip versteht es unnachahmlich auch jenes verruchte Gewerbe in einem schönen Lichte darzustellen; hieß sein Gedicht ursprünglich auch das "Verrufene Quartier" und wurde erst mit der Hafenorgel Ausgabe von 1948 in "Aramia" umgetauft, um eine Wechslung mit einem anderen Gedicht gleichen Titels zu vermeiden.
Schon während dem Lesen schwebte mir ein Tango für diese Zeilen vor, doch sollte mich dessen Umsetzung in arge Schwierigkeiten bringen. Was beim eigentlichen Lesen kaum auffällt, in jenem Gedicht hatte Leip es mit dem Versmaß nicht so genau genommen. Melodien mit ihrem konstanten Takt heben solche Unregelmäßigkeiten gnadenlos hervor und der Singende wird immer wieder darüber stolpern, und sich mit den Worten verhaspeln. Was sollte ich also tun? Auf dieses Gedicht zu verzichten, stand für mich gar nicht zu Wahl. Sollte ich etwa in Leips Gedicht mit eigenen Worten die Unterschiede ausgleichen? Nach ersten Versuchen stellte ich enttäuscht fest, daß ich zu viele Versmaßunterschiede auszugleichen hätte. Es widerstrebt mir sehr in fremde Texte einzugreifen, es bleibt für mich nur das letzte aller Mittel, und auch dann nur ganz zaghaft. Ich mochte einfach keine fremden Texte verändern, Punkt um.
Meine ersten Melodieversuche stießen immer wieder an diese "verfluchten" Vermaßunterschiede, in gezählten Silben traten dort Unterschiede von bis zu vier fehlenden Silben auf; eine Zeile besaß gar eine Silbe mehr! Um etwas Ordnung in das Ganze zu bekommen, wählte ich die zweite Strophe des Gedichtes als Kehrreim meines zukünftigen Liedes aus. Diese Gedichtstrophe würde dann in allen Liedstrophen enthalten sein und ein bißchen Gleichmaß bringen. Dafür fand ich ich auch schnell eine schöne Weise, mußte dazu aber leider zwei Textkorrekturen vornehmen. Mit den restlichen Strophen, also dem Anfang jeder Liedstrophe, scheiterten alle meine Bemühungen. Ich gab für diesen Tag zumindest resigniert auf.
Noch recht verschlafen warf ich am nächsten Morgen wieder einen Blick über den Text, und summte diesmal ohne Gitarre eine sehr schlichte Weise, mit vielen Tonwiederholungen. Ich bin halt keine Morgenlerche, eher denn eine Nachteule. Um so mehr überraschte es mich, daß mit einer solchen simplen Melodie, die es bestimmt in Abwandlungen schon häufiger geben müßte, sich diese Versmaßunterschiede "ausbügeln" ließen. Keiner merkt eigentlich wirklich, ob er den gleichen Ton nun 3x oder nur 2x gesungen hatte. – Das Rezept für diese Gedicht hieß also "mache eine ganz simple Melodie", eine Melodie mit vielen gleichen Tönen. Zwei Stunden später hatte ich dann etwas schönes zusammengestellt. Meine geliebten Melodieschwünge mußte ich aber auf den Kehrreim beschränken, der ja in allen Strophen gleich blieb. Einige meiner Kritiker ob meiner "komplizierten" Melodien können aufatmen, es gibt diesmal nur eine Tonart mit 3 Akkorden, Hans Leip sei es gedankt. – Um vier Textveränderungen am ursprünglichen Gedicht bin ich aber letztlich doch nicht herumgekommen, sie können im Vergleich zwischen Gedicht und Liedtext nachgeschlagen werden.
Oktober 2012 - Ich habe mich dann doch durchgerungen, die notwendigen Textanpassungen für eine Vertonung ans Leips Gedicht vorzunehmen. In diesem Zuge habe ich auch den Kehrreim vollständig neu geschrieben, da die erste Fassung zum entspannten Singen zu anspruchsvoll war, und das Tempo diese merklich verlangsamt hatte.


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Jürgen Sesselmann (mayer)
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